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Reisebericht zum Besuch des 30. Kontingentes der deutschen Truppen im Auftrag von ISAF in Afghanistan, vom 21. bis 28. Dezember 2012

 

So lautet die Überschrift auf dem Dokument, das die Fraktion und der Verteidigungsminister von mir erhalten haben, neun Seiten lang und vielleicht etwas technokratisch. Ich halte hier für Sie, wie immer, einige Gedanken, Impressionen und auch etwas zum Schmunzeln fest.

 

Traditionell zum Weihnachtsfest habe ich meinen Koffer gepackt und die Reise zu unseren Soldatinnen und Soldaten nach Afghanistan angetreten. Es waren die Hagenower und Torgelower, die ich allesamt ins Einsatzgebiet verabschiedet und nun eben auch, ganz auf ihren Wunsch, besucht habe. Sie waren in Mazar-e-Sharif, in Kunduz, Chahar Darreh und am OP (Observation Point) North. Die letzen drei genannten Standorte werden jetzt, im Jahr 2013, geschlossen und an die Afghanen übergeben. Die Freude über den Weihnachtsbesuch ist deshalb immer wieder besonders groß, da es den Soldaten im Einsatz und den Familien zu Hause in Deutschland signalisiert, dass wir an ganz sensiblen Tagen des Jahres, und das Weihnachtsfest gehört zweifelsfrei dazu, auch da sind.

 

Rundgang Camp Marmal

 

Wie schon 2009 startete ich mit der Luftwaffe von Köln nach Termez in Usbekistan. Dort befindet sich der Logistikstützpunkt für den Waren- und Güterumschlag. Gerade während des Abzuges aus Afghanistan wird man hier das logistische Können unter Beweis stellen. Wie immer schloss sofort eine Gesprächsrunde an die andere an. Kommandeur und Verbindungsoffizier Oberstleutnant Jan von der Felsen und der extra für die Feiertage eingeflogene katholische Militärpfarrer gaben den „Startschuss“. Nach der Rückkehr aus dem Einsatzgebiet erreichte mich folgendes Schreiben:

 

 

 

Mein Lieblingstransportmittel ist die Transall, ein sicheres, gemütliches aber schon „altes Mädchen“, wie ich - 45 Jahre alt. Mit ihr werden alle Inlandsflüge durchgeführt, Soldaten, Gepäck, Sachen des täglichen Gebrauchs und diesmal sogar ein schwarz lackierter Flügel transportiert. Kein Scherz. Ein Pianist aus Konstanz spielte für die Soldaten in Kunduz an Heiligabend selbst komponierte Stücke und jedwede Interpretation von spontan zugerufenen Wunschtiteln. Und da der Flügel nun nicht fliegen kann, welch Ironie, hat die Transall den Job übernommen.

 

   
     

 

Im Camp Marmal in Mazar-e-Sharif angekommen, fühlte ich mich nicht mehr fremd, denn nach vier Aufenthalten kennt man jede Ecke. Nicht nur Soldaten unterschiedlichster Nationen arbeiten hier, sondern auch fast 1.000 Afghanen. Das setzt ein großes Maß an Vertrauen voraus. Und dennoch gilt der alte Spruch: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. All diese Afghanen haben gut bezahlte Jobs und können ihre Familien ernähren. Sie sind wichtige Multiplikatoren. Und sie hoffen sehr berechtigt darauf, dass die begonnene wirtschaftliche Entwicklung weiter voranschreitet. Die Deutschen investieren sehr viel, 25 Millionen Euro in einen zivilen Flughafen, damit die Welt einreisen kann in dieses zwar raue, aber wunderschöne Land. Das Land braucht Investitionen, ziviles Engagement und hat dabei selbst sehr viel zu bieten. Dass sich allerdings über 6.000 NGOs (Non Gouvernment Organisations / Nichtregierungsorganisationen) im Land zum Teil unkoordiniert engagieren, ist nicht nur mir ein Dorn im Auge. Die Zusammenarbeit zwischen den militärischen und zivilen Vertretern hat noch Potential.

 

Commander RC North (Regional Command North / Regionalkommando Nord) Generalmajor Erich Pfeffer ließ es sich nicht nehmen, mich persönlich zu empfangen und mich sogleich über die aktuelle Lage ins Bild zu setzen. Eine Herzensangelegenheit ist der Besuch des Ehrenhains, um den gefallenen Soldaten die ihnen gebührende Ehre zu erweisen. Unter den Tafeln mit den eingravierten Namen liegen Bilder und Fotos. Dann bekommt der Soldat wieder ein Gesicht. Und nicht selten stehen Soldaten ganz allein und andächtig dort, kehren in sich und steigen in die Fußstapfen der jungen getöteten Kameraden und wissen, dass sie diesen Einsatz erfolgreich beenden müssen, sie sind es ihnen schuldig. Die Eltern und Witwen haben das Liebste verloren und konnten bislang keinen „Abschluss“ finden oder keinen Abschied nehmen, weil sie nicht wirklich verstehen und die Frage nach dem „Warum?“ immer lauter wird. Seit einem Jahr kommen die Hinterbliebenen, um die Trauerarbeit an diesem Teil der Erde zu vollenden. Die Gespräche mit Kameraden, die Orte, an denen der Sohn zu Abend aß, wo er trainierte, um fit zu bleiben, wo er wohnte, alles lässt sich besser einordnen. Und immer wieder fällt das Wort „Kameradschaft“. Hier füllt es sich mit Leben.

 

   
Ehrenhain in Kunduz    

 

Es hat sich einiges verändert in Afghanistan. Da der Abzug in vollem Gange ist, Standorte wie Taloquan, Hasrat-e-Sultan, Faysabat sind schon aufgegeben und übergeben worden, mehren sich die Fragen nach dem Sinn und dem Erfolg des Einsatzes. Wenn man die Afghanen in ihrer Welt nun zurücklässt, möchte man sicher sein, dass sie ihre Geschicke gut in die Hände nehmen werden können, jedenfalls in vielen Bereichen. Die Operations-führung, so nennt man es militärisch, liegt nun federführend bei den Afghanen, die Deutschen sind „nur noch“ beratend eingebunden. So ist der Plan. Die Operationen haben das lang gepriesene afghanische Gesicht, was wichtig für die Akzeptanz im Volk ist. Dass wir jetzt zu den Beratern gehören, ist für manchen deutschen Soldaten eine spezielle Herausforderung, da sie lieber noch jeden verbleibenden Tag für die aktive Ausbildung der afghanischen Sicherheitskräfte nutzen würden. Allerdings wird nur so auch der notwendige Druck aufgebaut, der den Afghanen signalisiert, jetzt seid ihr dran. Kein geringerer als Präsident Karsai hat dieses Tempo vorgelegt.

 

Mit Oberst Derichs (links)

 

In den Gesprächsrunden erfuhr ich vieles über Kommunikationsmanagement und Medienarbeit im Einsatz, dazu gehören auch Beiträge für das afghanische Fernsehen, um das Ansehen der afghanischen Sicherheitskräfte (ANA-Afghan National Army / ANP-Afghan National Police) in der einheimischen Bevölkerung zu stärken. Auch das Thema Verkehrserziehung ist im afghanischen TV präsent. Ca. 70 Prozent der afghanischen Haushalte haben einen TV-Anschluss. Man vermutet, dass nahezu 100 Prozent über einen Radioempfang verfügen. Auch versucht man hierdurch mit Nachdruck, das Vertrauen und die Vorbildfunktion durch das Wirken von Schlüsselfiguren in der Gesellschaft zu stärken. Identitätsstiftung scheint das "Zauberwort".

 

 

 

Es gilt auch weiterhin interkulturelle Einsatzberatung auf jeder Ebene zu vermitteln. Es geht nicht um übergeordnetes, der Mentalität, der Clanstrukturen und der Historie widersprechender, Überstülpen von Machtstrukturen, sondern um das Einsetzen anerkannter und respektierter Persönlichkeiten, die bei neuen und aktuell vakanten Stellenbesetzungen in Schlüsselfunktionen langfristig für ihre Regionen Verantwortung übernehmen.

 

Kernthema ist die „Vernetzte Sicherheit“. Ich war sehr gespannt auf die Kooperationsfelder in der Praxis. Ein District Development Plan soll hier helfen. Hierbei wird speziell auf die Bedürfnisse der Afghanen eingegangen. Es geht um nachhaltige und langfristige zivile Aufbauprojekte im Bildungs- und Universitätssektor, bei der Wirtschaftsentwicklung, im Gesundheitswesen und im Krankenhausbau, um nur ein paar zu nennen.

 

Eine kleine Anekdote am Rande:

Das was Sie hier sehen, nennt sich Feldpost.

 

   
     

 

Wer seine Weihnachtsgrüße sicher absenden wollte, bemächtigte sich dem Service der Lager- Feldpost. Hier gibt's die berühmten Karten mit Einsatzmotiven, hinten drauf Stempel mit Weihnachtsgrüßen, wahlweise bekommt man schon einen Text aufgedrückt, wo nur noch anzukreuzen ist. Beispiel: „Es geht mir gut.“ „Die Sonne scheint.“ „Das Essen schmeckt.“

 

Nun ja, zu der einen oder anderen Aussage ließe sich im Laufe des Berichts sicher auch noch Detaillierteres berichten. Können wir aber auch vernachlässigen. Also, was ich sagen wollte: Es war der 23. Dezember und da ich am Heiligtag komplett „ausgebucht“ war mit Gesprächen, bat ich freundlichst schon am Vortag des 24.12.2012 um den ersehnten“ 24er Weihnachtsstempel“. Das sind Karten mit Sammlerwert, weil es ein Weihnachten am OP North und Kunduz nicht mehr geben wird- Einsatz abgeschlossen. Und was sagt der Mann hinter dem Pult? "Junge Frau, wir sind hier bei der Deutschen Post, und den Stempel von morgen gibt's auch erst morgen." Das nenne ich deutsche Gründlichkeit. Mitten im Einsatzgebiet. Da muss uns auch nicht wundern, dass die Deutschen ihren Müll trennen, die Verwertung oder Verbrennung doch wohl eher afghanisch gehandhabt wird. Wer so gründlich ist wie wir Deutsche, muss sich nicht fragen, OB der Abzug gelingt, sondern nur WIE. Und unsere Experten vor Ort und im Bundesverteidigungsministerium wissen genau, welche logistische Herausforderung es ist, insgesamt 6.000 Container und 1.700 Fahrzeuge in Bewegung zu setzen.

 

 

 

 

 

Beeindruckend waren die sehr offenen Worte der Vertrauenspersonen und der Soldaten aus meiner Heimat. Wenn sich die Abgeordnete schon auf den Weg macht, will sie natürlich auch Informationen mitnehmen und davon gab es reichlich. In der Gesprächsrunde mit dem psychosozialen Netzwerk hatten sich zu meiner großen Freude viele Experten zusammengefunden, um mich zum Funktionieren des Netzwerks ins Bild zu setzen. Wir sprachen über Eingaben, Beschwerden, Beteiligungsrechte. Ehrliche Worte des katholischen und evangelischen Militärpfarrers, des Truppenarztes, derTruppenpsychologin und des Sanitätschefs. Wir sprachen über vorzeitiges Ausscheiden aus dem Einsatz und der Nachversorgung in der Heimat.

 

 

 

 

 

   
     

 

 

 

 

 

 

 

Immer wieder rührend sind die unzähligen, unverzichtbaren Grüße aus der Heimat, ob Collagen, Briefe oder Engelsbilder. Selbst ich kam in den Genuss eines Engels (Engel einscannen und einfügen), den ein Schüler aus der Drachenklasse einer Schule in Gummersbach zum Schutz der Soldaten geschickt hat. Diese Gesten der Verbundenheit sind für die Soldaten im Einsatz wichtig. Einer der Gründe, warum auch die Collagen der EAS/KAS (Evangelische Arbeitsgemeinschaft/ Katholische Arbeitsgemeinschaft Soldatenbetreuung), unterzeichnet durch die Mitglieder des Verteidigungsausschusses "Wir denken an Euch" sehr gewürdigt werden. Ein weiteres Thema war der Umgang mit den Jugendoffizieren an Schulen. Hier sieht sich die Kirche mehr in der Verantwortung. Der Besuch des Bundespräsidenten mit seiner Lebensgefährtin ist in fast allen Gesprächen ein Thema gewesen. Dieser Besuch wurde sehr honoriert. Zu meiner großen Freude hat er auch eine wohltuende Präsenz in den deutschen Medien erfahren.

 

 

 

 

 

 

 

 

Noch eine Anekdote am Rande?

Als ich in Kunduz am ersten Feiertag dem zivilen Vertreter begegnete, hatte er ein recht spitzfindiges Grinsen im Gesicht und meinte: „Frau Abgeordnete, Sie haben ein Problem. Ihre Bürger im Wahlkreis nehmen doch an, dass Sie hier in Kunduz sind? Nun, wie kann es da sein, dass Sie am Heiligabend zusammen mit dem Bundespräsidenten Gauck in der Kirche St. Georgen in Wismar das Weihnachtskonzert verfolgt haben? Sie waren jedenfalls im Fernsehen deutlich zu erkennen. Das hat man nun davon, wenn eine Aufzeichnung wie eine Live-Sendung aussieht.“ Die Reaktion meines Kommandeurs in Kunduz war jedenfalls brillant. Er konterte, mich in Schutz nehmend: „Aber der Bürger erwartet doch von einem Politiker, dass er an zwei oder auch drei Orten gleichzeitig ist.“

 

Zurück zu den ernsthaften Gedanken. Oberst Spannuth, Kommandeur in Kunduz, sprach über die Lage vor Ort, die Aufträge, deren Umsetzung und das Abzugsszenario. Rückblickend lässt sich feststellen, dass die Sorgfalt, mit der das deutsche Parlament Einsatzentscheidungen trifft, für das Mandat und die Soldaten eine speziellere Tragfähigkeit mit sich bringt. Über all die Jahre sind die Bundeswehr, die Politik, die Diplomatie und das deutsche Volk erwachsen geworden. Ein langer Prozess liegt hinter uns, in dem auch Fehler erkannt und abgestellt wurden, dem Evaluieren das Umsteuern folgte, wichtige Schwerpunkte gesetzt und ehrlich Bilanz gezogen wurde. Afghanistan und vor allem seine Menschen sind erschöpft von Krieg und Terror. Sie möchten in Ruhe und Freiheit leben, lernen, studieren, arbeiten, Familien gründen und Verantwortung übernehmen. Da dies nur mit einem gewissen Maß an Sicherheit geht, bilden wir seit Jahren Polizisten aus. Unter anderem geschieht dies im GPPT (German Police Project Training) Center. Eines der größten Probleme bei der Schulung von Afghanen ist der Analphabetismus, mehr als 85 Prozent vermutet man real. Doch sind sie gewillt, in den Dienst einzutreten und geben ihr Bestes, leider Gottes auch oft ihr Leben, da sie den Taliban ein Dorn im Auge sind. Aber sie sind in der Sicherheitspolitik des Landes nicht mehr wegzudenken und übernehmen in diesem Sommer das Center und bilden selbst aus.

 

 

 

Ein Höhepunkt meiner Reise war natürlich das Wiedersehen mit OTL Kühne und Oberst Derichs aus Hagenow. Ich hatte die Ehre der Verabschiedung in der Heimat, jetzt das Glück des Wiedersehens im Einsatzgebiet. Besonders war für mich die Lagebesprechung und das Treffen mit dem afghanischen Brigadegeneral Khair M. Khawari. Es ist eine besondere Erfahrung, einem Afghanen zuzuhören, egal ob Militär oder Zivilist, denn sie sprechen in Geschichten und Bildern. Dieser General legte all seine Begeisterung in das Lob für Oberst Derichs. "Freunde sind nicht die, die loben und hinterm Rücken schlecht reden.“ Er empfindet Liebe, Zuneigung, Brüderlichkeit und Stolz auf die erbrachte Leistung und richtete herzliche Grüße an den Verteidigungsminister und Kanzlerin Merkel aus. Diese habe ich natürlich übermittelt, etwas weniger blumig vielleicht, aber dafür herzlich.

 

24. Dezember 2012

 

Da OTL Kühne seine Jungs auch in Chahar Darreh stationiert hat und wir sie am 24.12. besuchen wollten, machten wir uns auf den Weg über die Little Pluto zum DHQ (Deutschen Hauptquartier). Dort traf ich dann auf unsere Mecklenburger und Vorpommern, auf Plauer und Parchimer. Die Gespräche setzten sich fort im Camp Kunduz. Allen, die sich die Zeit genommen haben an diesem Tag, möchte ich auf diesem Wege nochmals danke sagen. Für uns alle war natürlich der Feldgottesdienst und das legendäre Krippenspiel der Höhepunkt des Abends. Bei Glühwein und frisch gebackenen Waffeln rückt man emotional näher. Und wenn dann unter freiem Himmel Pianomusik erklingt ist alles perfekt, naja fast. Wenn die Familie da wäre, dann wär es perfekt. Deshalb suchte zeitig jeder sein „Rückzugsgebiet“, um mit den Lieben zu Hause Kontakt aufzunehmen. Es sind sehr persönliche Momente, da der robusteste Soldat butterweich wird, wenn die Kinder über Skype Weihnachtslieder singen und Papas Geschenke auspacken, die er hier liebevoll im Marketenderladen gekauft und dann verpackt hat. Nach den sentimentalen Stunden des Tages haben viele Soldaten zusammen gesessen und weiß Gott kein Trübsal geblasen… . Und was am Heiligabend so schön ausklang, läutete den ersten Feiertag würdevoll ein. Der Festgottesdienst in der „Gottesburg“, viersprachig: deutsch, amerikanisch, niederländisch, belgisch. Und auch hier freuten sich die Pastoren und Soldaten sehr über unsere Collagen der EAS/KAS. Allerorten wurde an diesen Tagen gesungen und rezitiert, die Zeit war weniger hektisch, alles lief ein wenig gediegener. Ein riesiger Schreck fuhr uns allerdings durch die Knochen, als ein kleiner afghanischer Junge mit dem Helikopter eingeflogen wurde. Er geriet in einen Unfall und war schrecklich schwer, gar lebensbedrohlich verletzt. Deutsche und afghanische Ärzte retteten sein Leben und Sadam bekam eine zweite Chance.

 

Chahar Darreh 

 

Da ich in meiner Fraktion Berichterstatterin für das Sanitätswesen bin, interessiert mich alles, was mit Krankenhäusern, Apotheken und beweglichen Sanitätstrupps zu tun hat. Auch hier bin ich auf offene und kritische Gespräche angewiesen und nicht auf extra vorbereitete und nett vorgetragene Redebeiträge. Meine Ansicht und die Art die Gespräche zu händeln, brachte zwar anfänglich alles etwas aus dem Konzept, erwies sich im nachhinein aber als sinnvoll und für beide Seiten effektiver.

 

 

 

Die Fahrt zum Camp Mike Spann mit General Gäbelein führte uns durch eine tief verschneite Winterlandschaft. Dieser Weg lohnte sich in jedem Fall, denn dort durften wir an einer beeindruckenden Graduierungszeremonie afghanischer Pioniere  teilnehmen. Beim Besuch der im Bau befindlichen Pionierschule, die Deutschland mit ca. 25 Millionen Euro finanziert, sieht man, in welche langfristigen Projekte und Infrastrukturmaßnahmen unser Entwicklungsbeitrag fließt. Dass mich dort ein Offizier aus Bad Doberan begrüßte, verwunderte mich nicht. Die stationierten Mentoren vor Ort legen Wert auf die Durchhaltefähigkeit der afghanischen Kräfte. Die Organisation, Planung, Führung und Durchführung von Operationen ändert sich, es wird afghanischer und das muss es auch. Eine gute Ausbildung und Teamgeistverständnis gilt in Afghanistan als Lebensversicherung. Auf der Rückfahrt durch die Stadt Mazar-e-Sharif konnte man die Entwicklung im Norden quasi mit den Händen greifen. Auf einen so massiven Bauboom war ich nicht gefasst. Und dort, wo man noch in traditionellen Lehmhütten lebt, ist auf jeden Fall mindestens eine TV-Schüssel auf dem Dach. Dieses Land braucht Zeit und es hat Zeit. Dieses Land braucht Frieden und traut sich zu, diesen zu sichern. Und dieses Land braucht motivierte, verantwortungsvolle Menschen, woran es nun wirklich nicht mangelt.

 

   
 Graduierungszeremonie   Camp Mike Spann

 

Ich bedanke mich für die interessanten Eindrücke und Erfahrungen bei Generalmajor Pfeffer, General Gäbelein, Oberst Spannuth, Oberstleutnant von der Felsen, JVB Kriebisch, allen Soldatinnen und Soldaten, die mir die vielen Gespräche erst ermöglichten. Ich versichere, dass ich mit ihren kritischen Anmerkungen und einzelnen persönlichen Betroffenheiten sensibel umgehe. Einen ganz besonderen Dank möchte ich meinen Personenschützern. Kommen Sie alle gesund und unversehrt nach Hause zurück.

 

 Beweglicher Sanitätstrupp